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GESCHICHTE
Die Evangelische Kirchengemeinde Lintfort
liegt auf dem Gebiet der Stadt Kamp-Lintfort im
Kreis Wesel (WES). Sie gehört zum Kirchenkreis Moers in
der Evangelischen Kirche im Rheinland.
Die Stadt Kamp-Lintfort
Kamp-Lintfort ist eine junge Stadt, die durch den
Bergbau groß wurde. Am 7.Januar 1950 wurde durch den
Regierungspräsidenten Düsseldorf die Urkunde überreicht,
mit der das Recht verliehen wurde, die Bezeichnung "Stadt
Kamp-Lintfort" zu führen. Die Stadt wurde aus mehreren
"Quartieren" zusammengestellt.
Der Name der Stadt erklärt sich so: "Kamp" ist
lateinisch und heißt "Feld", "Lintfort" ist fränkischen
Ursprungs und bedeutet soviel wie "Saum des Moores". Das bedeutet, dass
ein großer Teil der Stadt eine Sumpflandschaft war. (Quelle:
Örtliches Telephonbuch für Moers und Umgebung 2001/2002 Seite
340 ff.)
Im Wappen der Stadt ist in der Mitte ein kirchliches
Gebäude, das Kloster Kamp, dargestellt, dazu links oben ein Pflug
und unten das Symbol der Bergleute, Schlägel und Eisen.
Landwirtschaft, Kloster und Bergbau haben die Stadt geprägt.
Geschichtliches:
Vorzeit
Erste Spuren
menschlicher Besiedlung stammen in dem unwegsamen mit großen
Sümpfen bedecktem Gebiet bereits aus der jüngeren Steinzeit,
in der sich die Menschen zu sesshaften Bauern entwickelten. Die
Entwicklung der Stadt zeichnet sich noch heute im Stadtbild ab. Aus
fränkischen Salhöfen entwickelten sich die alten Quartiere,
die als Ansatzpunkte der Wohngebiete bis heute erhalten sind. Über
die Volks - und Stammesangehörigkeit der Steinzeitmenschen ist
nichts Genaues bekannt, wohl aber ist anzunehmen, dass verschiedene
Kulturgruppen das Rheinland erreicht haben und sich miteinander
verbunden haben. (Näheres bei E.G. Piecha, Kamp-Lintfort im
Spiegel der Geschichte).
Es scheint so, dass sich der "genius
loci" bis in die jüngste Geschichte unserer Stadt erhalten hat:
Menschen verschiedener Kulturgruppen bilden auch in der Neuzeit die
Bevölkerung der Stadt.
Mittelalter
Das Gebiet unserer
Stadt war in viele "Quartiere" aufgeteilt. Die unterschiedlichen
Herrschaftsgebiete haben auch für die kirchlichen
Verhältnisse Konsequenzen. Das zeigt sich später in der
Reformationszeit. Kirchlich und kulturell spielt das im Jahr 1123
errichtete Zisterzienserkloster Kamp eine herausragende Rolle. Es war
das erste Zisterzienserkloster auf deutschem Gebiet. Von
Kamp aus entstanden viele Tochterklöster, die
den Orden in ganz Deutschland verbreiteten und besonders im Osten
große Verdienste um die Kultivierung erwarben. Die
Ortsteile Saalhoff, Rossenray, Lintfort, Kamperbruch und Eyll waren
eigenständige Gebiete. Landesherr
war der Kurfürst und Erzbischof von Köln.
Ein weiteres Herrschaftsgebiet war die "Reichsunmittelbare Herrlichkeit
Hoerstgen und Frohnenbruch" (weitgehend in den Grenzen des heutigen
Stadtteiles Hoerstgen).
Die christliche Gemeinde
gehörte seit ihren Anfängen zur Pfarre Repelen (Repelen ist
heute Ortsteil vom Moers; dort steht eine der ältesten Kirchen des
Rheinlandes).
Reformationszeit
1536
bekannte sich der Landesherr, der Kurfürst und Erzbischof von
Köln, Hermann von Wied (1515-1547) zum evangelischen Glauben und
versuchte, das gesamte Gebiet zu reformieren. Er wurde vom Papst
abgesetzt und verzichtete auf sein Bischofsamt. Das Erzstift Köln
blieb katholisch. Ein weiterer Versuch, das Erzstift Köln zu
reformieren, wurde vom Kölner Erzbischof Gebhardt Truchseß
von Waldburg im Jahr 1582 unternommen. Der Truchsessische Krieg, der
sich daraus entwickelte, hat bis heute Spuren in Kamp-Lintfort
hinterlassen. Der Bischof wurde durch einen streng katholischen
Nachfolger abgelöst. Das Erzstift blieb katholisch. Reformatorische
Bestrebungen wurden vom Moerser Grafen unterstützt. Schon 1532
wird die evangelische Lehre in Moers zugelassen. 1556 soll das
katholische Bekenntnis in Hoerstgen abgeschafft werden. Den
Angehörigen des alten Bekenntnisses wird nahegelegt, das Land zu
verlassen. Durch unsere Stadt zieht sich eine alte
Konfessionsgrenze: Hoerstgen wurde evangelisch, die
übrigen Quartiere, die zum Erzstift Köln gehörten,
blieben katholisch.
Neuzeit
Durch die
Gründung des Bergwerkes "Friedrich-Heinrich" zogen Bergarbeiter
nach Kamp-Lintfort. Der "genius loci" bewährt sich: Aus den
verstreuten Quartieren wächst eine Stadt zusammen, deren Bewohner
den unterschiedlichsten Kulturkreisen entstammen. Die Evangelischen in Lintfort werden zum
großen Teil der Evangelischen Kirchengemeinde Hoerstgen zum
kleineren Teil auch der evangelischen Gemeinde Repelen zugeordnet. Die
Konfessionsgrenzen verwischten sich mehr und mehr. Allmählich sind
in unserer Stadt die zugewanderten Evangelischen den Alteingesessenen
in Hoerstgen zahlenmäßig weit überlegen. Das kleine
Bauerndorf Lintfort wuchs im Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem Ort
mit 10.000 Menschen, davon muss man ungefähr 3000 Evangelische
rechnen. 1917 wurde ein selbständiger evangelischer Pfarrbezirk
Lintfort, der noch immer Hoerstgen zugeordnet war, gegründet.
Repelen schied als Betreuungsgemeinde aus, Lintfort wurde zu einem
Bezirk der Evangelischen Gemeinde Hoerstgen. Der Bezirk Lintfort wurde durch
Hilfsgeistliche versorgt.Die beiden ersten waren die
Pfarramtskandidaten Spiecker und Preising. Von 1916 bis 1921 wirkte als
Seelsorger Pastor Ristow.
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Siegel
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Selbständige
Evangelische Kirchengemeinde Lintfort seit 1923
Am 1.
Oktober 1923 wurde die Gemeinde selbständig und schied aus der
Verbindung mit Hoerstgen aus.Das Siegel der neu gegründeten
Gemeinde drückt die Verbindung mit dem Bergbau aus: Es zeigt einen
Bergmann, der vor einem Kreuz kniet und Kohle gräbt. Das Bild wird
erklärt durch das Wort Jesu im Matthäusevangelium Kap. 13,
Vers 44: "Das Himmelreich ist gleich einem im Acker verborgenen Schatz.
Die Evangelische Gemeinde Lintfort vertrat reformiertes Bekenntnis so
lange sie mit Hoerstgen verbunden war. Bekenntnisschrift ist in
reformierten Gemeinden der Heidelberger Katechismus. Wegen des Zuzugs
vieler vorwiegend lutherisch geprägter Gemeindeglieder
änderte das Presbyterium der selbständig gewordenen
Gemeinde
den Bekenntnisstand. So ist die Gemeinde seit 1930 "lutherisch-uniert",
die einzige lutherische Gemeinde im Kirchenkreis Moers. Die Sammlung der Gemeinde wurde eine
schwierige Aufgabe. Das Bergwerk Friedrich-Heinrich gab vielen Menschen
Arbeit. Aus allen Gegenden Deutschlands waren Gemeindeglieder
zugezogen. In der evangelischen Gemeinde fehlte es aber an allem. Der
erste Weltkrieg hatte die Pläne für einen Kirchenbau ins
Stocken gebracht. Man behalf sich mit Schulzimmern und
Wirtshaussälen und einem Kinosaal. Im Jahr 1920 kam man auf die
Idee, eine alte Bauernscheune zur Notkirche umzubauen. Mit Hilfe der
Zeche Friedrich Heinrich konnten die Pläne ausgeführt werden.
Am 13.März 1921 war die feierliche Einweihung der Notkirche in der
Ringstraße. Von ihr ist heute nichts mehr zu sehen, sie
fiel den Bomben des zweiten Weltkrieges zum Opfer. Inzwischen war an
der Friedrich-Heinrich - Allee die neue Kirche - heute "Christuskirche"
- entstanden, die am 1. Advent (30.November) 1930 feierlich eingeweiht
wurde. Unter den Pastoren Moog und Finsterbusch geschah der erste
Spatenstich am 7.November 1928 für die Kirche. Im Jahr 1932 starb
Pfarrer Finsterbusch, Pfarrer Moog war in eine andere Gemeinde
gegangen. Inzwischen musste
eine zweite Pfarrstelle eingerichtet werden. |

Notkirche und
Grundsteinlegung |

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1933 - 1945
Über
die Stellung der Lintforter Kirchengemeinde und ihrer Pfarrer in der
nationalsozialistischen Zeit fehlen Nachrichten im Archiv der Gemeinde.
Über den Kirchenkampf kann keiner mehr eindeutig etwas aussagen.
Zeitzeugen geben nur unvollständige und sich widersprechende
Nachrichten wieder. Wahrscheinlich hat sich die Gemeinde aus dem
Kirchenkampf herausgehalten. Vielleicht war es die Einschätzung,
dass eine so frisch zusammengestellte Gemeinde nicht noch zerrissen
werden sollte durch kirchlich - theologische Auseinandersetzungen. |

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Die Gemeinde
wird größer
Nach
dem zweiten Weltkrieg erhöhte sich die Zahl der Gemeindeglieder
sehr schnell durch Zuzug aus dem Osten. Die neu Zugezogenen fanden auf
dem Bergwerk Friedrich-Heinrich ausreichend Arbeit. Seit 1949 besteht
eine weitere, eine dritte Pfarrstelle, die für den Ostbezirk der
schnell gewachsenen Gemeinde eingerichtet wurde. Eine vierte (1957) und
eine fünfte (1963) Pfarrstelle mussten wegen dauernd steigender
Gemeindegliederzahlen eingerichtet werden.
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Gebäude
Wer
sich den Plan von Kamp-Lintfort ansieht, erkennt, dass die Stadt durch
das Bergwerk Friedrich-Heinrich in zwei Teile geteilt wird: Auf der
Westseite der Zeche wohnten die Angestellten des Bergwerks,
östlich der Zeche war das Wohngebiet der Arbeiter. In
früheren Jahren belasteten bei den vorherrschenden Westwinden die
Abgase der Kokerei den Ostteil der Stadt. Die "Notkirche" hatte noch
auf der Ostseite, der Arbeiterseite, gestanden, aber sie war
zerstört. So blieb nur noch die - im Lintforter Volksmund so
genannte - "Beamtenseite" mit kirchlichen Einrichtungen versorgt.
a. Kirchen
Bis zum zweiten
Weltkrieg gab es nur zwei evangelische Gemeindezentren in unserer
Kirchengemeinde: die Kirche an der Friedrich-Heinrich - Allee von 1930
und die Notkirche in der Ringstraße. Im Jahr 1966 konnte
eine neue Kirche für den vierten Bezirk (West) eingeweiht werden.
Sie bekam wegen der Partnerschaft zur Dresdner Kreuzkirche den Namen
"Kreuzkirche"; die Kirche in der Stadtmitte bekam den Namen
"Christuskirche".
b. Gemeindehäuser
Paul - Gerhardt - Haus an der Fasanenstraße,
Bezirk I (Nord. Der Bau wurde nötig wegen eines
neuen Wohngebietes im Norden der Stadt.
Paul-Schneider-Haus neben der Christuskirche, Bezirk II (Mitte).
Lutherhaus Ebertstraße 57
Bezirk III (Ost) und
Verwaltung. Das Lutherhaus, entstand auf der
"Arbeiterseite", als Jugendheim mit staatlichen Fördermitteln
errichtet. Es enthielt auch die Wohnung für den Pfarrer des
Bezirks III und eine Einliegerwohnung im Obergeschoss. Das Lutherhaus
wurde später erheblich erweitert. Die Pfarrwohnung wurde
aufgegeben und in die Räume zog die Verwaltung unserer Gemeinde
ein.
Dietrich - Bonhoeffer-Haus neben der Kreuzkirche, Bezirk IV (West).
Albert - Schweitzer - Haus in der Eichendorffstraße, Bezirk V
(Süd).
Ein neues
Wohngebiet im Süden der Stadt machte den Bau des
Albert-Schweitzer-Hauses nötig.
Die früheren Pfarrer
Pfarrstelle I
1924-1932 Pfarrer
Ernst Finsterbusch
1933-1946 Pfarrer Wilhelm van
der Zwaag
1947-1962 Pfarrer Erich Schult
1963-1972 Pfarrer Albert
Walter
1973-1979 Pfarrer Rolf Kahle
1979-1991 Pfarrer Udo Brand
Pfarrstelle II
1932-1953 Pfarrer
Helmut Vögeli
1954-1963 Pfarrer Friedrich
Benz
1963-1965 Pfarrer Günther Barthel
1967-1995 Pfarrer Theodor
Münzenberg
Pfarrst. III gegr.1949
1949-1964 Pfarrer
Heinz Ebert
1965-1975 Pfarrer Hartmut
Bender
1975-1995 Pfarrerin Helga Klaus
Pfarrst.IV, gegr.1957
1957-1963 Pfarrer Helmut
Schmitz
1964-1988 Pfarrer Klaus
Wisotzki
1988-2010 Pfarrer Helmut Oelschlägel
Pfarrst. V, gegr.1963
1970-1984 Pfarrer
Kurt Mann
1986-1992 Pfarrerin Heike
Dargatz
1993-2005 Pfarrer Thomas Schrödter
Durch Kantor Johannes
Zantke ist ein besonderer Akzent in der Evangelischen
Kirchengemeinde
Lintfort gesetzt worden. Ihm verdankt die Gemeinde, dass hervorragende
Orgeln installiert wurden. Unvergessen ist
die musikalische Arbeit von Herrn Zantke, bei der auch große
Werke wie Bachs Johannespassion und Weihnachtsoratorium, Händels
Messias, Brahm's Requiem in der Christuskirche zur Aufführung kamen. Seit 1995
führt seine Arbeit unsere Kantorin Dorothee Peldszus-Rentel weiter.
Seit 1953 besteht
das Gemeindeamt der Evangelischen Kirchengemeinde Lintfort.
Es erledigt zu
den Verwaltungsaufgaben der Lintforter Gemeinde auch die benachbarter
Gemeinden. Erster Leiter
war Erich Lukas. Nach seiner Pensionierung übernahm Bernhard Spira
die Leitung des Gemeindeamtes.
Die Zeit seit der Mitte der 1950er
Jahre
Die Bergbaukrise
1956 und in den folgenden Jahren bewirkt, dass sich die Stadt und damit
auch die Kirchengemeinden verändern. Noch wird auf dem Bergwerk
Friedrich-Heinrich (jetzt: Bergwerk West) Kohle gefördert (2002).
Der Strukturwandel, von dem das gesamte Ruhrgebiet betroffen ist, geht
an unserer Stadt nicht vorbei. Damit verändert sich auch die
Bevölkerungsstruktur. War die Kirchengemeinde früher
weitgehend eine Bergarbeitergemeinde so verändert sie sich heute
ständig. Neue Industriebetriebe haben sich angesiedelt. Die Evangelische Kirchengemeinde
versucht, in der Zeit des Strukturwandels ein Wort mitzureden. In
Gottesdiensten und in Tagungen mit dem Bergbau stellt sich die Gemeinde
den neuen Fragen ihrer Gemeindeglieder.
Wichtiger Partner bei diesen Begegnungen ist die katholische
Nachbargemeinde. Die Zusammenarbeit mit ihr hat sich in den vergangenen
Jahrzehnten äußerst positiv entwickelt. Gemeinsame
Gottesdienste, Bibelwochen und Veranstaltungen gehören seit
Jahrzehnten zum Leben unserer Kirchengemeinden. So ist es auch
möglich, gemeinsame Worte zu den sozialen Fragen in unserer Stadt
zu formulieren.
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